Stakeholder: Leistungen und Perspektiven

Seit über 30 Jahren prägen Swico Recycling und SENS eRecycling die Rücknahme von Elektroaltgeräten (EAG) in der Schweiz. Als freiwillige Branchenorganisationen haben sie ein flächendeckendes Sammelnetz aufgebaut, Qualitätsstandards gesetzt und eine verlässliche Entsorgungsinfrastruktur geschaffen. Sechs Stakeholdergruppen wurden nach ihrer Einschätzung gefragt: Was leisten die Systeme? Wo liegen die Stärken? Und was sind die Erwartungen für die Zukunft? Die Antworten zeichnen ein differenziertes Bild – mit breiter Anerkennung, konstruktiver Kritik und klaren Wünschen.

01.06.2026

«Swico Recycling und SENS eRecycling sind verlässliche Partner, die durch effiziente und nachhaltige Lösungen das Elektroaltgeräterecycling in der Schweiz führen und vorantreiben.»

Claudio Lutiger, ALSO Schweiz AG

Hersteller und Importeure: Rechtssicherheit und Innovationsimpulse

Für Hersteller und Importeure sind Swico Recycling und SENS eRecycling unverzichtbare Partner bei der Erfüllung gesetzlicher und ökologischer Anforderungen. Die Systeme bieten standardisierte, rechtskonforme Prozesse und entlasten Unternehmen bei komplexen Umwelt- und Recyclingauflagen. Das flächendeckende Sammelnetz schafft zudem Vertrauen bei den Konsument:innen: Ihre Geräte werden am Ende des Lebenszyklus verantwortungsvoll recycelt.

Besonders hervorgehoben wird die hohe Qualitätssicherung und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Recyclingstandards. Der Swico Innovationsfonds wird als konkretes Instrument zur Förderung neuer Recyclingtechnologien und nachhaltiger Lösungen geschätzt. Als grösste Herausforderungen für die kommenden Jahre nennen Hersteller die steigende Produktkomplexität sowie den Preisdruck durch Online-Billigimporte, auf die oft kein vorgezogener Recyclingbeitrag (vRB) erhoben wird.

Der Wunsch an die Systeme: stabile Rahmenbedingungen, klare Kommunikation und eine enge Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

«Die Kampagne ‹Be a Vape Recycler› ist ein vorbildliches Beispiel, da nur breit angelegte Aktionen es ermöglichen, die Rücknahmepflicht für elektrische und elektronische Geräte sowohl bei den Konsument:innen als auch bei den Verkaufsstellen wirksam bekannt zu machen.»

Laurianne Altwegg, Fédération romande des consommateurs (FRC)

Konsument:innen: Mehr Sichtbarkeit und ReUse-Orientierung

Aus Sicht der Fédération romande des consommateurs (FRC) ist das Bewusstsein für Swico Recycling und SENS eRecycling bei Konsument:innen noch ausbaufähig. Viele wissen nicht, dass EAG im Handel kostenlos zurückgegeben werden können. Die FRC erhält zudem Rückmeldungen, wonach EAG im Handel – selbst in grossen Ketten – nicht immer zurückgenommen werden, mutmasslich aufgrund unzureichender Schulung des Verkaufspersonals.

Positiv bewertet die FRC die SENS-Informationskampagne zu Einweg-E-Zigaretten («Be a Vape Recycler») als ein gelungenes Beispiel für eine breit angelegte Sensibilisierung. Ähnliche Kampagnen seien wichtig, um der Bevölkerung zu erklären, dass Elektrogeräte nicht im Hauskehricht entsorgt werden dürfen.

Ein zentrales Anliegen der FRC betrifft die Wiederverwendung: Die Circular Platform stellt Informationen zur Weiternutzung von Geräten bereit, allerdings müssen Konsument:innen diese aktiv suchen. Die FRC wünscht sich, dass die Triage zur Wiederverwendung systematisch innerhalb des Sammelsystems erfolgt – damit Wiederverwendung dem Recycling ökologisch vorgezogen wird.

«SENS eRecycling und Swico Recycling organisieren den Transport der gesammelten Elektro- und Elektronikabfälle zu den Recyclingunternehmen auf effiziente Weise – nun wird von ihnen erwartet, dass sie mit der Förderung von Reparatur und Wiederverwendung noch mehr für die Kreislaufwirtschaft tun.»

Isabelle Baudin, Schweizerischer Verband Kommunale Infrastruktur (SVKI)

Gemeinden und öffentliche Sammelstellen: Bewährte Zusammenarbeit, Wunsch nach kostendeckenden Vergütungen und mehr Kreislaufwirtschaft

Ein sehr grosser Anteil der gesammelten EAG geht über öffentliche Sammelstellen ein – obwohl diese keine gesetzliche Rücknahmepflicht haben. Diese schätzen bei ihrer Arbeit die verlässlichen Abholprozesse, die klaren Regeln zu Gebinden und die zur Verfügung gestellten Merkblätter für die Sammlung, Lagerung und Bereitstellung der EAG. Auch die Planbarkeit dank definierter Abgeltungsmodelle und die Rechtssicherheit werden positiv hervorgehoben. Pilotprojekte für die Wiederverwendung sowie für die Triage via künstliche Intelligenz werden bei den Gemeinden als wichtige Schritte in Richtung Kreislaufwirtschaft gesehen.

Kritisch betrachtet wird hingegen die Vergütung. Der vRB wird vom SVKI als nicht kostendeckend erachtet, insbesondere mit Blick auf Personal, Logistik und Infrastruktur.

Für die Zukunft wünschen sich die Gemeinden eine stärkere Einbindung in die Governance – etwa bei Logistikentscheiden und Entschädigungsmodellen. Darüber hinaus regen sie an, eine verbindliche und systematisch finanzierte Lösung für die Vorbereitung zur Wiederverwendung zu entwickeln: Ein Teil des vRB müsste künftig in die Reparatur und Aufbereitung von EAG fliessen. Gleichzeitig wird an die Systeme appelliert, ihre Rolle als Brücke zwischen Herstellern, Reparaturbetrieben und Recyclingbetrieben noch aktiver wahrzunehmen.

«Die Recyclingbetriebe wünschen sich einen frühzeitigen Dialog mit Swico Recycling und SENS eRecycling bei regulatorischen Weiterentwicklungen sowie verlässliche und stabile Finanzierungsrahmenbedingungen. Nur so kann die hohe Qualität der Recyclingprozesse dauerhaft gewährleistet werden.»

Roger Blesi, CEO Groupe BAREC, Vizepräsident FVG

Recyclingbetriebe: Planungssicherheit als Schlüsselfaktor

Als operative Akteure der Kreislaufwirtschaft stehen die Recyclingbetriebe im Zentrum des Recyclingsystems. Sie schätzen den Beitrag von Swico Recycling und SENS eRecycling zur Finanzierungsstabilität: Die Systeme leisten einen wichtigen Beitrag zur Deckung der Betriebskosten und verbessern die Planungssicherheit.

Gleichzeitig sehen sich die Recyclingbetriebe mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert: Volatile Rohstoffmärkte, steigende Energie- und Personalkosten, zunehmend komplexere Geräte sowie wachsende regulatorische Anforderungen belasten die Branche. In diesem Umfeld ist die Investitionssicherheit essenziell.

«Swico Recycling und SENS eRecycling sind zentrale Drehschreiben, die Akteure im Schweizer Elektroaltgeräterecycling zusammenbringen und die operative Umsetzung koordinieren.»

Claudia Rehm, Departement Bau, Verkehr und Umwelt, Kanton Aargau

Kantone: Unverzichtbare Partner im delegierten Vollzug

Für die Kantone sind Swico Recycling und SENS eRecycling zentrale Drehscheiben im delegierten Vollzug im EAG-Bereich. Das entlastet die Kantone erheblich – da die Systeme und ihre Expert:innen über sehr grosses Fachwissen verfügen und durch die Auslagerung der Kontrollen die Ressourcen der Kantone geschont werden.

Besonders geschätzt werden die Konsistenz der Auditmethodik mit einem kantonsübergreifenden, gleichen Massstab für alle Betriebe, die Nachvollziehbarkeit der Stoffflüsse und die verlässliche Kommunikation. Die Audits schaffen Vertrauen: Wenn Kantone Betriebsbewilligungen erteilen, wissen sie, dass die Unternehmen regelmässig und gründlich kontrolliert werden. Befunde und Abweichungen werden den Kantonen aktiv kommuniziert und in den Betrieben konsequent nachverfolgt.

Als grösste Herausforderungen für die kommenden Jahre nennen die Kantone das Brandrisiko durch Lithiumbatterien, die Zunahme von Billigimporten ohne vRB-Pflicht, den Umgang mit neuen Produktkategorien (Photovoltaikmodule, Elektrofahrzeugbatterien) sowie die noch ungelösten rechtlichen und praktischen Fragen rund um Reparatur und Wiederverwendung. Die Kantone schätzen den Informationsaustausch mit den Systemen auf Ebene des Kantonsmeetings und regen an, dass dieser fachlich noch vertieft werden könnte, um aktuelle Themen und Herausforderungen frühzeitig und praxisnah in den Vollzug einzuspeisen.

«Durch den Anschluss an eine dieser Branchenlösungen kann grundsätzlich sichergestellt werden, dass sämtliche Anforderungen der VREG erfüllt werden. Das von der Branche freiwillig aufgebaute und finanzierte Rücknahmesystem funktioniert gut.»

Donat Andrey, Bundesamt für Umwelt (BAFU)

Bundesamt für Umwelt (BAFU): Verlässliche Branchenlösung mit Vorbildcharakter

Das BAFU misst den freiwilligen Rücknahmesystemen von Swico Recycling und SENS eRecycling eine zentrale Bedeutung für das EAG-Recycling in der Schweiz bei. Über Jahrzehnte haben die beiden Organisationen ein dichtes Netz an Sammelstellen aufgebaut und mit dem vorgezogenen Recyclingbeitrag (vRB) dauerhaft finanziert. Dank dieser Infrastruktur können Konsument:innen ihre Altgeräte jederzeit und in unmittelbarer Nähe abgeben – ein wesentlicher Grund für die hohe Sammelquote in der Schweiz.

Das BAFU schätzt es, dass der vRB nicht nur die Sammlung, sondern auch die Informationskampagnen, Studien und unabhängige Audits finanziert. Diese gewährleisteten hohe Qualitätsstandards und eine fachgerechte Entsorgung nach dem Stand der Technik. Im Kontext der Kreislaufwirtschaft sieht das BAFU private Branchenorganisationen als wichtige Akteure: Sie erzeugen hochwertige Sekundärrohstoffe – etwa Kupfer, Eisen oder Aluminium – und entfernen Schadstoffe aus dem Kreislauf.

Fazit: Starkes Fundament – und Erwartungen an die nächste Etappe

Die Interviews mit den verschiedenen Stakeholdern zeigen ein weitgehend einheitliches Bild: Swico Recycling und SENS eRecycling haben über drei Jahrzehnte ein stabiles, qualitativ hochwertiges und verlässliches Rücknahme- und Recyclingsystem aufgebaut. Die Systeme gelten als unverzichtbare Partner für Behörden, Industrie, Gemeinden und Recyclingbetriebe. Der vRB-Mechanismus und die unabhängigen Audits werden als besondere Stärken hervorgehoben.

Gleichzeitig zeichnen sich klare Erwartungen für die Zukunft ab: Die Stakeholder fordern eine aktive Rolle der Systeme bei der Wiederverwendung und Reparatur, die Einbindung der Sammelstellen in Entscheidungsprozesse, breitere Sensibilisierungskampagnen für Konsument:innen sowie einen frühzeitigen Dialog bei regulatorischen Weiterentwicklungen. 

Sowohl Swico Recycling als auch SENS eRecycling begrüssen die offenen und differenzierten Rückmeldungen und Erwartungen der Stakeholder. Kernaufgabe der beiden Systeme ist das Schliessen von Kreisläufen. In diesem Sinne werden die bestehenden, funktionierenden Systeme stetig weiterentwickelt und optimiert. So wird beispielsweise die Einbindung der Wiederverwendung in das bestehende Rücknahmesystem bereits intensiv geprüft. Ein konkretes Beispiel dafür ist das ReUse-Projekt von Swico Recycling, welches bereits wertvolle Erkenntnisse geliefert hat und nun in die nächste Phase übergeht. Gleichzeitig wurden von SENS eRecycling die rechtlichen Rahmenbedingungen bezüglich der Vorbereitung zur Wiederverwendung geprüft.

Auch weitere Initiativen unterstreichen das Engagement für die Kreislaufwirtschaft: etwa die Weiterentwicklung der Circular Platform durch SENS eRecycling oder die Analyse des Wiederverwendungspotenzials von Photovoltaikmodulen im Rahmen des Projekts Swiss PV Circle. Gemeinsam mit den verschiedenen Stakeholdern gilt es nun, diese Initiativen voranzutreiben. Aus der engen Vernetzung von SENS eRecycling und Swico Recycling mit Herstellern, Importeuren und dem Handel auf der einen Seite sowie den Sammelstellen und Recyclingbetrieben auf der anderen Seite ergeben sich klare Chancen, als Brückenbauer entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu wirken. Dieses Potenzial nutzen die beide Systeme bereits seit Jahrzehnten und fördern es aktiv.

Die beiden Systeme stehen in einem engen Austausch und treiben gemeinsame Projekte aktiv voran. Gleichzeitig repräsentieren sie unterschiedliche Branchen mit vielfältigen Anforderungen. Diesen gerecht zu werden, ist ein zentrales Anliegen – und zugleich eine anspruchsvolle Aufgabe für alle Beteiligten im Rücknahme- und Recyclingsystem. Umso wichtiger ist ein kontinuierlicher Dialog zwischen sämtlichen Stakeholdern beider Systeme. Nur so kann das gegenseitige Verständnis gestärkt und weiterentwickelt werden – zum Vorteil aller Beteiligten. Beide Systeme sind überzeugt: Dieser Austausch ist ein entscheidender Erfolgsfaktor im Spannungsfeld zwischen möglichst niedrigen vorgezogenen Recyclingbeiträgen – und damit einer geringen Belastung für die Konsument:innen – sowie einer marktgerechten Vergütung für Sammlung, Transport und Recycling.

Mit Blick auf neue Herausforderungen – von Lithiumbatterien über Billigimporte bis hin zu neuen Produktekategorien – werden Swico Recycling und SENS eRecycling auch in den kommenden Jahrzehnten gefordert sein, Orientierung zu bieten und die Kreislaufwirtschaft aktiv voranzubringen.

Mit bestem Dank an alle mitwirkenden Stakeholder

  • Claudia Rehm, Fachspezialistin Abfallwirtschaft, Departement Bau, Verkehr und Umwelt Kanton Aargau
  • Claudio Lutiger, Head of Business Process Specialists, ALSO Schweiz AG
  • Donat Andrey, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Bundesamt für Umwelt (BAFU)
  • Heidi Oswald, Geschäftsführerin, Zweckverband der Zuger Einwohnergemeinden für die Bewirtschaftung von Abfällen (ZEBA)
  • Isabelle Baudin, Projektleiterin, Abfall / Kreislaufwirtschaft / Nachhaltigkeit, Schweizerischer Verband Kommunale Infrastruktur (SVKI)
  • Kim Jäggi, Nachhaltigkeitsverantwortliche Canon Schweiz AG
  • Laurianne Altwegg, Leiterin Umwelt, Landwirtschaft und Energie, Fédération romande des consommateurs (FRC)
  • Roger Blesi, CEO Groupe BAREC / Vizepräsident Fachverbands VREG-Entsorgung (FVG)
  • Silvan Rüttimann, Teamleiter Abfallbewirtschaftung, Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement Kanton Luzern

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