Digitalisierung, Kunststoffrecycling und PFAS: Ein Blick in die Arbeit der Technischen Kommission SENS/Swico 2025
Die Technische Kommission (TK) SENS/Swico blickt auf ein intensives Jahr zurück: Mit WEEE flow und dem neuen RepTool wurden gleich zwei zentrale Audittools erneuert und in der Praxis erprobt. In Workshops diskutierte die Kommission, wie softwarebasierte Tools die Audittätigkeit künftig noch besser unterstützen können. Ergänzt wurde die Weiterbildung durch Fachinputs zu Kunststoffrecycling und den viel diskutierten PFAS. Ein Betriebsbesuch bei der InnoRecycling AG sowie ein Fachreferat von Professor Dr. Scheringer lieferten wertvolle Impulse für die tägliche Arbeit der Auditor:innen.
Einführung und Weiterentwicklung der Audittools
Für ihre Audittätigkeit nutzt die TK SENS/Swico eine Reihe unterschiedlicher Audittools – von klassischen Dokumenten wie Auditprotokollen, Batchberichten und Stoffflussnachweisen bis hin zu spezialisierten Softwarelösungen. Seit Anfang 2025 kommt für die Erfassung der Stoffflüsse durch die Recyclingpartner die neu entwickelte Software WEEE flow zum Einsatz. Parallel dazu wurde auch das europäische RepTool, das für die Batchversuche genutzt wird, in einer neuen Version eingeführt. Die Auditor:innen standen somit gleichzeitig vor zwei neuen digitalen Werkzeugen.
Die ersten Erfahrungen mit WEEE flow fielen überwiegend positiv aus: Die Erfassung der Stoffflüsse und die Auswertung für die Audits wurden als intuitiv und gut strukturiert beurteilt. Gleichzeitig gingen Rückmeldungen zu Verbesserungsmöglichkeiten ein, etwa bezüglich zusätzlicher Auswertungen. Auch das neue RepTool vereinfachte die Handhabung der Batchauswertung und führte zu einer stärkeren Harmonisierung zwischen den Auditor:innen.
Die Einführung dieser beiden softwarebasierten Tools nahm die TK SENS/Swico zum Anlass, während eines Workshops im Rahmen der jährlichen Weiterbildung alle weiteren Auditdokumente zu überprüfen. Ziel war es, Inhalte zu vereinfachen oder auf Basis der neuen Auswertungsmöglichkeiten anzupassen. Zusätzlich stellte Gregor Schguanin, Inspektor von Baustoff Kreislauf Schweiz, das Audittool Arvis (neu unter dem Namen CIRCULIS) vor. Dieses diente als spannende Diskussionsgrundlage für die langfristige Ausrichtung der eigenen Audittools sowie für Chancen und Grenzen softwarebasierter Auditprotokolle.
Alte und neue Themen: Kunststoffrecycling und PFAS
Neben den Audittools standen 2025 zwei fachliche Schwerpunkte auf dem Programm der Weiterbildung: Kunststoffrecycling sowie per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS). Das Kunststoffrecycling von Elektroaltgeräten (EAG) bleibt aufgrund der grossen Materialheterogenität, der enthaltenen Schadstoffe (z. B. bromierte Flammschutzmittel) und der aktuellen Marktsituation eine grosse Herausforderung. Gleichzeitig ist das Thema PFAS in der öffentlichen Diskussion präsenter denn je – insbesondere auch im Zusammenhang mit ihrem Vorkommen in diversen Abfallströmen.
Im Rahmen eines Besuchs bei der InnoRecycling AG in Eschlikon TG präsentierte Geschäftsführer Markus Tonner die neuesten Entwicklungen und Technologien im Kunststoffrecycling. Die Kommission konnte die Sammelstelle, das beeindruckende Materiallager sowie die Anlage der InnoPlastics AG besichtigen, in der Kunststoffabfälle (vor allem aus Haushaltsverpackungen) zu Regranulat aus Polyethylen und Polypropylen verarbeitet werden.
Zum Thema PFAS hielt Professor Dr. Scheringer (ETH Zürich) ein aufschlussreiches Fachreferat. Er erläuterte chemische Eigenschaften, Anwendungsbereiche, typische Emissionsquellen sowie Umwelt- und Gesundheitsauswirkungen und gab einen Überblick über aktuelle politische Entwicklungen. Für die Auditarbeit besonders relevant war die Erkenntnis, dass Fluorpolymere als Hochleistungskunststoffe an sich sehr stabil und daher für Umwelt und Gesundheit eher unproblematisch sind – ihre Produktion jedoch weiterhin zu erheblichen PFAS-Emissionen führt. PFAS in EAG werden vor allem in der Herstellung von Halbleitern und Leiterplatten vermutet.
Konstantes Team der Technischen Kommission
Auf Seiten der TK SENS/Swico gab es nur eine personelle Änderung: Anfang 2026 kehrte Tetiana Zubkova (Gagarina) aus dem Mutterschaftsurlaub zurück und setzt ihre Ausbildung zur Auditorin fort. Das Team umfasst ab 2026 folgende Personen: Andreas Bill, Anahide Bondolfi, Stefanie Conrad, Flora Conte, Roman Eppenberger, Roger Gnos, Arthur Haarman, Niklaus Renner, Daniel Savi, Thekla Scherer, Esther Thiébaud und Tetiana Zubkova (Gagarina).