Ökobilanz von SENS eRecycling und Swico Recycling 2025

Der Umweltzusatznutzen der Recyclingsysteme von SENS eRecycling und Swico Recycling beträgt für das Jahr 2025 rund 1400 Milliarden Umweltbelastungspunkte (UBP) beziehungsweise 236 600 Tonnen CO2-eq. Die eingesparten 1400 Milliarden UBP entsprechen ungefähr der Umweltbelastung des Jahresverbrauchs der Einwohner:innen von Biel1. Die eingesparten 236 600 Tonnen CO2-eq entsprechen etwa den jährlichen Verkehrsemissionen der Stadt Lausanne. Bemerkenswert ist dabei, dass nicht nur die Rückgewinnung von Wertstoffen aus Elektro- und Elektronikaltgeräten (EAG), sondern vor allem auch die fachgerechte Entfernung von Schadstoffen stark ins Gewicht fällt.

08.06.2026

Umwelt- und Klimanutzen auf einen Blick

Abbildung 1 zeigt den anteilsmässigen Umwelt- und Klimanutzen aller Gerätekategorien für das Jahr 2025. Rund 46% des Umweltnutzens entfallen auf das Recycling von Elektrogrossgeräten, 24% auf Kühl-, Gefrier- und Klimageräte, rund 12% auf Elektrokleingeräte, 10% auf Elektronikgeräte exkl. Bildschirme, 5% auf Leuchtmittel, 2% auf Bildschirmgeräte, 0.4% auf Photovoltaik und 0.1% auf E-Zigaretten.

Zum gesamten Klimanutzen tragen Kühl-, Gefrier- und Klimageräte mit 46% am meisten bei. Es folgen Elektrokleingeräte mit 25%, Elektronikgeräte exkl. Bildschirme mit 22%, Elektrogrossgeräte und Bildschirmgeräte mit je 3%, Photovoltaik mit 1%, Leuchtmittel mit 0.3% und E-Zigaretten mit 0.1%.

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Beitrag der Gerätekategorien

Der Beitrag der einzelnen Gerätekategorien zum Umwelt- und Klimanutzen hängt davon ab, welche Wertstoffe aus den Geräten zurückgewonnen – und welche Schadstoffe entfernt und fachgerecht entsorgt werden. Die nachfolgenden Grafiken in Abbildung 2 zeigen den Umweltnutzen pro Gerätekategorie, aufgeteilt in die Rückgewinnung von Wertstoffen und die Entfrachtung von Schadstoffen. Dabei wird deutlich, dass sich die zurückgewonnenen Wertstoffe je Gerätekategorie stark unterscheiden und dass sowohl die Schadstoffentfrachtung als auch die stoffliche Verwertung wesentliche Beiträge leisten.

Beim Recycling von Kühl-, Gefrier- und Klimageräten entsteht der Umweltnutzen zu über 95 % durch die Entfernung der Kühl- und Treibmittel, welche die Ozonschicht abbauen und das Klima durch ihr hohes Treibhauspotenzial stark belasten. (Siehe Artikel «Kühlgeräte») Die Rückgewinnung von Wertstoffen spielt bei dieser Gerätekategorie im Vergleich dazu nur eine untergeordnete Rolle.

Bei den Elektrogrossgeräten entfällt mit 97 % der grösste Teil des Umweltnutzens auf die fachgerechte Entsorgung von polychlorierten Biphenylen (PCB) aus Kondensatoren. PCB verursachen bereits in kleinsten Mengen erhebliche Umweltschäden. Auch hier ist der Beitrag der Wertstoffrückgewinnung gegenüber der Schadstoffentfrachtung von untergeordneter Bedeutung.

Bei Leuchtmitteln wird der Umweltnutzen zu 97 % durch die Entfernung von Quecksilber bestimmt; die Rückgewinnung von Metallen und Glas trägt im Vergleich nur in geringem Masse dazu bei. Bei Photovoltaikmodulen wird der Umweltnutzen hingegen hauptsächlich durch die Rückgewinnung von Aluminium, Glas und Kupfer geprägt. Beim Recycling von E‑Zigaretten leisten die zurückgewonnenen Metalle, insbesondere Kobalt und Nickel, einen wesentlichen Beitrag zum Umweltnutzen.

Der Umweltnutzen der Schadstoffentfrachtung ist bei Elektrokleingeräten und Elektronikgeräten exkl. Bildschirme deutlich geringer als bei Elektrogrossgeräten. Dies liegt daran, dass Elektrogrossgeräte eine längere Lebensdauer haben und in älteren Geräten häufiger PCB‑haltige Kondensatoren vorkommen, während Elektrokleingeräte und Elektronikgeräte exkl. Bildschirme kaum noch solche Bauteile enthalten. Eine Ausnahme bilden die Vorschaltgeräte aus Leuchten, die ebenfalls PCB-haltige Kondensatoren enthalten können1. Kunststoffe mit bromierten Flammschutzmitteln werden im Recyclingsystem ausgeschleust und thermisch verwertet; im Vergleich zum Referenzszenario der Verbrennung in der KVA entsteht dadurch kein zusätzlicher Umweltnutzen. Somit beruht der Umweltnutzen der Elektrokleingeräte und Elektronikgeräte exkl. Bildschirme überwiegend auf der Rückgewinnung von Wertstoffen, insbesondere von Basismetallen wie Kupfer, Eisen und Aluminium, aber auch von Kunststoffen sowie Edelmetallen wie Gold, Silber und Palladium, die aufgrund ihrer hohen Umweltrelevanz pro Masseinheit einen relevanten Beitrag leisten. Die Rückgewinnung aus der sogenannten urbanen Mine – insbesondere aus hochgradigen Leiterplatten, welche in Elektronikgeräten zu finden sind – ist dabei deutlich umweltschonender als der Abbau aus natürlichen Lagerstätten, wo der Goldgehalt pro Tonne um ein Vielfaches niedriger liegt. Auch das Recycling von Kunststoffen gewinnt an Bedeutung, da der Metallgehalt moderner Geräte tendenziell abnimmt, während der Kunststoffanteil steigt (siehe Artikel «Swico-Mix Batchversuch»).

Der Umweltnutzen des Recyclings von Bildschirmgeräten besteht zu mehr als einem Drittel in der Entfrachtung von quecksilberhaltiger Hintergrundbeleuchtung. Relevant ins Gewicht fällt zudem auch hier die Rückgewinnung von Wertstoffen wie Eisen, Aluminium und Kupfer, aber auch von Kunststoffen sowie den Edelmetallen Gold, Silber und Palladium.

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Wie lässt sich der Umwelt- und Klimanutzen berechnen?

Der Umwelt- und Klimanutzen wird als Differenz zwischen dem Ist-Zustand mit den bestehenden Rücknahmesystemen SENS eRecycling und Swico Recycling und einem Referenzszenario ohne diese Systeme berechnet. Im Ist-Zustand werden sämtliche Prozessschritte berücksichtigt, von der Sammlung und Sortierung über die manuelle und mechanische Behandlung bis hin zur fachgerechten Entsorgung der Schadstoffe und der Verwertung der Wertstoffe. Dabei stehen zwei Nutzenkomponenten im Vordergrund: Einerseits die vermiedenen Umweltbelastungen durch die korrekte Entfernung und Behandlung von Schadstoffen, andererseits die Ressourcenschonung durch das stoffliche Recycling, bei dem Sekundärrohstoffe Primärmaterial ersetzen.

Der Nutzen der Schadstoffentfrachtung wird als Differenz zwischen dem Aufwand für die fachgerechte Entsorgung und den vermiedenen Emissionen in die Umwelt bilanziert. Beim Recycling ergibt sich der Nutzen aus der Differenz zwischen dem Aufwand zur Aufbereitung von Sekundärmaterial und der eingesparten Umweltbelastung durch die vermiedene Primärproduktion.

Referenzszenario

Für die Ökobilanz wird angenommen, dass im Referenzszenario «ohne SENS» bzw. «ohne Swico» gleich viele Geräte anfallen wie im heutigen System. Der zentrale Unterschied liegt in der Behandlung der Geräte: Im Referenzszenario «ohne SENS» bzw. «ohne Swico» würde zwar ein Teil der wirtschaftlich attraktiven Wertstoffe zurückgewonnen, die aufwendige und kostenintensive Schadstoffentfrachtung bliebe jedoch weitgehend unberücksichtigt.

-Für das Referenzszenario «ohne SENS» bzw. «ohne Swico» sind grundsätzlich unterschiedliche Ausprägungen denkbar – von einer vollständigen Deponierung oder Verbrennung bis hin zu einer gesetzeskonformen Entsorgung ohne organisierte Rücknahmesysteme. Da für diese hypothetischen Szenarien keine empirischen Daten vorliegen, würde eine detaillierte Modellierung der möglichen Entsorgungswege zahlreiche Annahmen über Mengenaufteilungen und Behandlungspfade erfordern. Um die Anzahl und Tragweite der Annahmen zu minimieren, wurde daher für die vorliegende Studie für jede Gerätekategorie ein plausibler, vereinfachter Mittelweg gewählt, der als Vergleichsbasis zur Quantifizierung des Umweltnutzens der bestehenden Systeme dient. Die konkreten Annahmen für jede Gerätekategorie sind in Tabelle 1 zusammengefasst.

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Datengrundlage

Aus der jährlichen Stoffflusserhebung (siehe Artikel «Mengen 2025») liegen die Daten zu den verarbeiteten Mengen pro Gerätekategorie und Recyclingpartner vor. Anhand der Batchversuche, welche jeder Swico- oder SENS-Recyclingpartner alle 2 Jahre pro verarbeitete Gerätekategorie durchführt, können die absoluten Mengen zurückgewonnener Wertstoffe und ausgeschleuster Schadstoffe realitätsgetreu hochgerechnet werden. Für massenanteilsmässig relevante Stoffe (Basismetalle, Kunststoffe etc.) liegen die Daten aus Wägungen und dedizierten Auswertungen bei Folgebehandlern vor. Bei Stoffen, welche in sehr geringen Massenanteilen vorkommen (Hg, PCB, Edelmetalle) ist dies aber in der Regel nicht der Fall. Hier werden chemische Analysen der entsprechenden Fraktionen, statistische Auswertungen der Endverwerter sowie Literaturwerte verwendet.

Fazit

Die Ökobilanz zeigt, dass SENS eRecycling und Swico Recycling im Zusammenspiel mit Konsument:innen, Herstellern/Importeuren, Handel, Leistungspartnern (Sammelstellen, Transporteuren, Recyclingbetrieben) und Behörden im Jahr 2025 einen sehr hohen Umweltnutzen generiert haben. Durch die fachgerechte Entsorgung von EAG wurde die jährliche Umweltbelastung der Schweiz um ca. 1% gesenkt1, ein sehr beachtlicher Wert für eine einzelne Massnahme. Der grösste Anteil an diesem Umweltnutzen ist der Vermeidung von PCB-Emissionen durch die sachgerechte Entsorgung von PCB-haltigen Kondensatoren zuzuschreiben. Trotz der Tatsache, dass heute immer weniger PCB-haltige Kondensatoren in den Elektroaltgeräten zu finden sind, hat dieser Schadstoff gemäss den zugrunde liegenden Berechnungen immer noch das höchste Umweltschadenpotenzial. Kondensatoren müssen aus diesem Grund weiterhin mit grösster Sorgfalt entfernt und fachgerecht entsorgt werden.

Ebenfalls ökologisch bedeutsam ist die Vermeidung der Emissionen von weiteren Schadstoffen wie Kälte- und Treibmitteln und Quecksilber durch eine kontrollierte, fachgerechte Entsorgung. Diese Schadstoffe gewinnen zunehmend an Gewicht in der Ökobilanz, weil die fluor- und chlorhaltigen unter ihnen später als PCB verboten wurden und ihr Gehalt in den Geräten somit deutlich weniger schnell abnehmen wird. Auch bezüglich Klimanutzen spielt die Vermeidung von Emissionen aus halogenierten Kälte- und Treibmittelnwegen ihres hohen Treibhauspotenzials die zentrale Rolle.

Das Recycling von Wertstoffen wie Eisen, Kupfer, Aluminium, Kunststoffen, aber auch von Edelmetallen wie Gold, Silber und Palladium trägt aufgrund der Dominanz der Schadstoffe über beide Systeme hinweg derzeit anteilsmässig weniger zum totalen Umweltnutzen bei. Dieser Anteil steigt jedoch stetig an, insbesondere da immer weniger PCB in den Geräten vorhanden sind. Dieser Trend ist heute bereits bei Elektrokleingeräten und Elektronikgeräten deutlich erkennbar. Das Recycling der Wertstoffe ist in absoluten Zahlen ökologisch sehr sinnvoll, da der ökologische Nutzen (Ressourcenschonung) viel höher ist als der Aufwand für die Aufbereitung (Energieverbrauch, Transporte etc.). Betrachtet man den Klimanutzen isoliert, gewinnt die Wertstoffrückgewinnung zusätzlich an Relevanz für das Gesamtsystem.

Wie wird Umweltnutzen messbar gemacht?

Zur Messung des Umweltnutzens wurde die Methode der ökologischen Knappheit 2021 nach Frischknecht et al. (2021) verwendet. Diese Methode wurde unter Mitwirkung des Bundesamts für Umwelt entwickelt und ist in der Schweiz etabliert. Sie wurde gewählt, weil sie sowohl die Umweltsituation als auch die Umweltziele der Schweiz berücksichtigt und damit eine breit abgestützte Bewertungsgrundlage bietet.

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Methode auch Umweltaspekte erfasst, die für diese Ökobilanz besonders relevant sind, darunter Emissionen persistenter organischer Schadstoffe (POP) sowie den Ressourcenverbrauch. Obwohl sie die Schweizer Umweltpolitik widerspiegelt, ist sie auch international anerkannt. Die Resultate werden in Umweltbelastungspunkten (UBP) ausgedrückt.

Der Klimanutzen wurde gemäss der Methode IPCC 2021 GWP 100a berechnet. Diese berücksichtigt im Gegensatz zur Methode der ökologischen Knappheit ausschliesslich Treibhausgasemissionen und deren Wirkung auf das Klima. Die Methode ist international anerkannt; die Resultate werden in kg CO2-eq ausgedrückt.

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