Abbildung 1: Absaugung von Kühlgeräten durch Mitarbeitende. Bildquelle: SENS eRecycling

Klimaschutz durch Kühlgeräterecycling: Kontinuität mit grosser Wirkung

Das Recycling von Kühlgeräten hat sich in der Schweiz längst von einer reinen Stoffrückgewinnung zu einem zentralen Instrument des Klimaschutzes entwickelt. Während Metalle und Kunststoffe weiterhin wichtige Wertstoffe im Sinne der Zirkularität darstellen, liegt der eigentliche ökologische Hebel in der konsequenten Rückgewinnung klimarelevanter Gase. Dank etablierter Technologien und beständig optimierter Prozesse trägt das System Jahr für Jahr substanziell zur Reduktion von Treibhausgasemissionen bei.

01.06.2026

2025 wurden über das SENS-Rücknahmesystem rund 430 000 Wärmeüberträgergeräte mit einem Gesamtgewicht von etwa 23 000 Tonnen verarbeitet, wovon etwa ein Siebtel reine Stufe-1-Geräte waren. Stufe-1-Geräte sind Elektrogeräte, welche ausschliesslich Kälte-, jedoch keine Treibmittel enthalten, wie zum Beispiel Klimageräte oder Wärmepumpentrockner. Punkto der rückzugewinnenden Schadstoffe verändert sich die Zusammensetzung der Geräte weiterhin schrittweise: Neuere Gerätegenerationen, die klimatisch weniger relevante Kohlenwasserstoffe enthalten, sind in der Rücknahme im Vormarsch, während ältere Geräte mit fluorierten Kälte- und Treibmitteln zwar rückläufig sind, jedoch nach wie vor einen relevanten Anteil ausmachen.

Diese Stoffe – (teilhalogenierte) Fluorchlorkohlenwasserstoffe (H)FCKW – werden in der Norm SN EN 50625-2-3 als flüchtige fluorierte Kohlenwasserstoffe (VFC) klassifiziert. Sie stehen aufgrund ihrer hohen Klimaschädlichkeit im Fokus der Emissionsvermeidungsmassnahmen. Ihnen stehen die flüchtigen nichthalogenierten Kohlenwasserstoffe (VHC) gegenüber, die zwar ein geringes Treibhauspotenzial aufweisen, jedoch weiterhin umweltrelevant sind, da sie zur lokalen Luftschadstoffbelastung beitragen können (Bildung von bodennahem Ozon und organischen Aerosolen).

Verzögerter Rückgang klimaschädlicher Altgeräte

Die seit den 1990er-Jahren eingeleitete Substitution ozonschädigender und klimawirksamer Stoffe zeigt im Recycling eine anhaltende, wenn auch verzögerte Wirkung. Während der Übergang von FCKW über HFKW hin zu Kohlenwasserstoffen in der Geräteproduktion längst abgeschlossen ist, spiegelt er sich im Rücklauf der Altgeräte nur mit Verzögerung wider.

Auch setzt sich der Rückgang von Geräten mit VFC-haltigen Substanzen langsamer fort als ursprünglich prognostiziert, was im Zusammenhang mit der Langlebigkeit dieser Gerätetypen stehen dürfte. Im Berichtsjahr 2025 lag der Anteil entsprechender Kompressoren bei 22 %, während 14 % der Geräteisolationen noch VFC-basierte Treibmittel enthielten. Geräte mit Ammoniak als Kältemittel verbleiben mit rund 2 % auf konstant niedrigem Niveau (Abbildung 2).

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Abbildung 2. Anteile der auf Stufe 1 (VFC- resp. VHC-haltige Kompressoren, Ammoniak-haltige Absorbersysteme) und Stufe 2 behandelten Gerätetypen (VFC- resp. VHC-haltiger PU-Isolationsschaum) seit dem Jahr 2000.

Wäschetrockner und Co.: Immer prominenterer Anteil an Stufe-1-Geräten

Ein Kompressor komprimiert das Kältemittel, das anschliessend durch die Kühlrippen (Lamellen) zirkuliert und dem Innern des Kühlschranks – oder im Fall einer Klimaanlage dem Wohnraum – Wärme entzieht. Im Unterschied zu Kühlschränken, welche zur Kühlung der Lebensmittel zusätzlich über eine treibmittelhaltige Polyurethan- (PU)Isolationsschicht verfügen, fehlt eine solche bei den sogenannten Stufe-1-Geräten (z. B. Wärmepumpentrockner, Klimaanlagen und Entfeuchter). Letztere werden immer häufiger im Materialeingang. Die Absaugung ihrer Kältekreisläufe auf den separaten «Stand-alone»-Anlagen der Kühlgeräte-Recyclingunternehmen ist aufwändig: Die Geräte werden aufgrund ihrer Bauarten, insbesondere der Lage des Kompressors, manuell geöffnet und in eine Position gebracht, welche die Gasevakuation am tiefsten Punkt des Kältekreislaufs zulässt. Da durchschnittlich auch höhere Kältemittel-Einfüllmengen vorhanden sind, dauert der Absaugvorgang oftmals länger, als es bei den Kühlschränken der Fall ist. Nach dem Absaugprozess werden die Geräte analog Haushaltsgrossgeräten wie Waschmaschinen oder Backöfen mit konventioneller Zerkleinerungstechnik (Mühle, Querstromzerspaner etc.) weiter aufbereitet. 2025 waren rund 13 % aller behandelten Wärmeüberträger Stufe-1-Geräte ohne PU-Schaumisolation (Abbildung 3).

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Abbildung 3. Entwicklung Stückzahlen an Wärmeüberträgergeräten (geschäumte, beide Verarbeitungsstufen durchlaufende vs. nicht geschäumte Stufe-1-Geräte).

Substanzieller Klimabeitrag durch effiziente Schadstoffentfrachtung

Die fachgerechte Behandlung der Alt-Kühlgeräte bleibt von zentraler Bedeutung, da die enthaltenen Stoffe ein hohes Treibhauspotenzial aufweisen. Bereits geringe Gasmengen können eine erhebliche Klimawirkung entfalten, sofern sie unkontrolliert freigesetzt werden.

Die in der Schweiz eingesetzten Recyclinganlagen gewährleisten eine weitgehend vollständige Rückgewinnung dieser Stoffe. Die anschliessende thermische Behandlung (Verwandlung in weit weniger klimawirksames CO2 sowie in Wasser und Säuren resp. Salze) unter kontrollierten Bedingungen reduziert die Klimawirkung um das bis zu Zehntausendfache.

Im Jahr 2025 konnten auf diese Weise rund 150 000 Tonnen CO₂-Äquivalente vermieden werden. Diese Menge entspricht gut 36 000 Erdumrundungen mit einem benzinbetriebenen Personenwagen. Damit bleibt die Emissionsminderung durch Kühlgeräterecycling auf einem nach wie vor hohen Niveau und leistet weiterhin einen relevanten Beitrag zur Zielerreichung im Klimaschutz.

Technologischer Standard und Prozesssicherheit

Die eingesetzten Recyclingverfahren entsprechen dem aktuellen Stand der Technik und basieren auf einem zweistufigen Prozess. In einer ersten Verfahrensstufe werden Kältemittel und Kompressoröl unter Vakuum abgesaugt sowie weitere schadstoffhaltige Komponenten wie Kondensatoren separiert. Anschliessend erfolgt die mechanische Zerkleinerung der Geräte unter gasdichten Bedingungen mit integrierter Rückgewinnung der im Isolationsmaterial enthaltenen Treibmittel.

Die Prozessführung ermöglicht eine saubere Trennung der Stoffströme mit einer effizienten Rückführung verwertbarer Materialien wie Eisen- und Nichteisenmetalle sowie hochwertige Kunststoffe. Gleichzeitig wird eine kontrollierte Fassung und Behandlung der Schadstoffe sichergestellt.

Rückgewinnungsmengen im strukturellen Wandel

Die Entwicklung der Rückgewinnungsmengen ist weiterhin stark durch die sich verändernde Gerätezusammensetzung geprägt. Der steigende Anteil moderner VHC-Geräte mit – im Vergleich zu den VFC-Geräten – geringeren Kältemittel-Einfüllmengen und Treibmittel-Konzentrationen im PU-Schaum führt zu einem langfristigen Rückgang der pro durchschnittliches Gerät rückgewinnbaren Gasmengen und in der Folge zu einer real feststellbaren Abnahme der absolut zurückgewonnenen Mengen. Die ursprüngliche Annahme, dass in Geräten jüngerer Generationen auch weniger Kompressoröl enthalten sei, hat sich hingegen als nicht zutreffend erwiesen (Abbildung 8).

Für das Jahr 2025 ergeben sich folgende Werte:

  • Kältemittelgemisch VFC/VHC: 50 g pro Gerät (+2 % im Vergleich zum Vorjahr: 49 g)
  • Treibmittelgemisch VFC/VHC: 37 g pro Kilogramm PU-Schaum (–21 % im Vergleich zum Vorjahr: 47 g/kg)
  • Kompressoröl: 161 g pro Gerät (+15 % im Vergleich zum Vorjahr: 140 g)
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Abbildung 8. Entwicklung der Rückgewinnungsmengen auf Stufe 1 (Gramm Kältemittel und Öl pro Gerät) bzw. Stufe 2 (Gramm Treibmittel pro Kilogramm Isolationsschaum. Nicht berücksichtigt sind die ungeschäumten Stufe-1-Geräte).

Performance-Monitoring 2.0

Hightech-Prozesse wie die Prozessgasrückgewinnung sind höchst anspruchsvoll, da die Gase per se verlustfrei zu führen sind und diese zusätzlich infolge ihrer Chlor- und Fluoranteile stark korrosiv wirken und Materialverschleiss begünstigen. Bestimmte Stellen in den Anlagen wie Schraub- oder Flanschverbindungen, Ventile, Muffen oder Dichtungsringe können aufgrund ihrer Beschaffenheit oder Faktoren wie Vibrationen für Materialschäden sowie Schwingungs- und Selbstlockerungen anfällig sein und undicht werden. Aus diesen Gründen führen die Anlagenbetreiber nicht nur regelmässig umfassende Dichtigkeitsprüfungen der Unter- und Überdrucksysteme durch, um im Bedarfsfall Teile zu ersetzen oder mechanisch-konstruktive Optimierungen vorzunehmen. Genauso wesentlich ist die Implementierung steuerungs-/softwaretechnischer Überwachungsinstrumente, die eine kontinuierliche Verlaufskontrolle der Rückgewinnungsleistung zulassen und allfällige Abweichungen vom Soll detektieren können. Damit wird gewährleistet, dass – falls erforderlich – die Ursachensuche rasch erfolgt und zweckmässige Instandstellungsmassnahmen zeitgerecht umgesetzt werden. In diesem Sinne wird das Monitoring konsequent über den ursprünglichen Zweck der Ableitung von Jahreskennzahlen hinaus zum zentralen Qualitätssicherungswerkzeug transformiert.

Qualität der vorgelagerten Logistik als entscheidender Faktor

Neben dem aufwändigen Unterhalt und der technologischen Entwicklung der Recyclingprozesse zeigt sich weiterhin Optimierungsbedarf in der vorgelagerten Logistik. Der Zustand der angelieferten Geräte beeinflusst sowohl die Umweltbilanz als auch die Arbeitssicherheit.

Ein nicht unerheblicher Anteil der Geräte weist Beschädigungen am Kältekreislauf auf, die auf unsachgemässe Handhabung während Hausräumungen und Rückbauten oder während Sammlung und Transport zurückzuführen sind. Dies führt nebst unerwünschten Emissionen bereits vor der eigentlichen Behandlung zu erhöhten Risiken im Umgang mit den Geräten (vor allem beim Auslad).

Eine konsequente Einhaltung der Anforderungen an Sammlung, Lagerung und Transport bleibt daher ein wesentlicher Faktor für die Gesamtperformance des Systems (Merkblatt «Kühl-, Klima- und Gefriergeräte sammeln und transportieren»).

Einordnung und Ausblick

Obschon die Qualität des Kühlgeräterecyclings in der Schweiz dank dem modernen Anlagenpark bereits High-End-Standards erfüllt, werden die Prozesse kontinuierlich weiterentwickelt und bieten dadurch eine sehr hohe Systemstabilität. Die Effizienz der Schadstoffrückgewinnung bleibt aufgrund grosser Anstrengungen beim Anlagenunterhalt, technischer Innovationen, des ausgeprägten Engagements des beteiligten Personals sowie stringenter Überwachungsprozesse auf hohem Niveau, während sich die stoffliche Zusammensetzung der Altgeräte weiter in Richtung weniger klimaschädlicher Technologien verschiebt.

Vor dem Hintergrund der weiterhin im Umlauf befindlichen VFC-Altgeräte bleibt das Potenzial zur Vermeidung von Treibhausgasemissionen auch in den kommenden Jahren bedeutend. Das bestehende Recyclingsystem ist gut positioniert, um dieses Potenzial weiterhin zuverlässig zu erschliessen und damit einen nachhaltigen Klimabeitrag zu leisten.

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